Fortschritt mit Pferdestärken

Uetersen hat die Eisenbahn zuerst abgelehnt. Uetersener Fuhrleute wehrten sich in den 1840ern gegen einen Anschluss, also bekam das kleinere Tornesch den Bahnhof. Dann baute man selbst, aber mit Pferden. Am 1. September 1873 fuhr die Pferdebahn los, knapp fünf Kilometer, Fahrzeit etwa 32 Minuten. Sie führte vom Buttermarkt über die Hauptstraße und den Großen Sand zum Bahnhof in Tornesch, rund 1,8 Kilometer davon mitten auf der Uetersener Straße. Es gab drei zweiachsige Personenwagen, einen davon mit Sitzen auf dem Dach, dazu sieben Fahrtenpaare am Tag. 1908 endete der Pferdebetrieb. In den 1920ern zog die Bahn aus der Hauptstraße an den Stadtrand, und der neue Stadtbahnhof lag bei Röpckes Mühle. Erst Fortschritt ablehnen, dann Pferde davorspannen: eine Sicherheitsleine im Zeitalter der Dampfkraft.
Wie diese Bilder entstehen
Der Entstehungsprozess ist von Bild zu Bild verschieden.
Wo es möglich ist, male ich vor Ort, mit direktem Blick auf das, was von der Geschichte heute noch steht.
Bei anderen Motiven, etwa der Pferdebahn, gibt es diesen Ort in seiner historischen Form längst nicht mehr, dort setzt sich das Bild aus verschiedenen alten Fotografien zusammen, die im Kopf erst zu einer Szene werden müssen.
Die Recherche dazu dauert oft lange, mit Besuchen im Stadtarchiv und dem Durchsuchen alter Aufnahmen und Dokumente.
Am spannendsten ist für mich dabei, durch die Stadt zu gehen und in Gedanken die verschiedenen Fassungen eines Ortes übereinanderzulegen: Hier jetzt eine Straße, davor stand hier eine Mühle, davor vielleicht noch etwas anderes. Uetersen zeigt sich dann nicht als ein Ort, sondern als mehrere, die sich überlagern.
Mehr zur Entstehung einzelner Bilder, mit alten Fotos und ergänzenden Informationen, gibt es im Making-of per E-Mail.